Fragen zu Krieg und Frieden

Alexander Poraj (Zen-Meister und Mitglied der spirituellen Leitung am Benediktushof in Holzkirchen) stellt uns – Ihnen, dir und mir – in seinem Artikel „Krieg und Frieden“ folgende Fragen:

  • Wer sind „wir“ und welche Kontrolle haben wir tatsächlich über uns selbst?
  • Kennen wir uns überhaupt?
  • Verfügen wir über ein „Wesen“ oder einen „Kern“, das, der eine zweifelsfrei positive Qualität hat, die wir mühelos und konfliktfrei mit allen anderen Menschen teilen können?
  • Ist uns bewusst, weshalb so viel Widersprüchliches in uns angelegt ist?
  • Wie kommt es dazu, dass wir zahlreiche unsrer täglichen Handlungen als „Kampf“ oder „Krieg“ bezeichnen und diese Bezeichnung als selbstverständlich und gerechtfertigt ansehen?
  • Ist „Kampf“ etwa nicht die Haupteigenschaft jeden Krieges?
  • Sind Kämpfe immer dann zulässig, wenn sie für eine gute Sache geführt werden?
  • Wer bestimmt für alle anderen mit, was „gut“ und „richtig“ ist – und nach welchen Kriterien? Und was geschieht mit denen, die dann immer noch anderer Meinung sind?
  • Wären viele Kriege nicht dadurch gerechtfertigt, dass sie in der Regel von den Kriegstreibenden für eine „gute Sache“ geführt werden?
  • Heiligt das Ziel wirklich die Mittel? Und wenn ja, dann sind gerechtfertigte Kämpfe und somit auch Kriege zulässig?
  • Weshalb besteht ein wesentlicher Teil unsrer Menschheitsgeschichte aus Kriegen? Haben wir in weiten Teilen Europas seit ein paar Jahrzehnten wirklich Frieden oder einen verlängerten Waffenstillstand? Sind wir politisch gerade dabei einen Frieden zu sichern oder den Waffenstillstand zu verlängern?
  • Leben wir mit uns selbst in Frieden? Sind wir tatsächlich für den „Frieden“ gemacht? Und wenn ja, weswegen „kämpfen“ wir nahezu täglich und bei uns beginnend gegen eigene Schwächen, „Schatten“, mit Cremes gegen Falten im Gesicht, mit Antibiotika gegen Bakterien und nicht zuletzt gegen den Tod? Wer wären wir, würden wir alle diese täglichen Kämpfe und Kriege wirklich gewinnen? Wären wir dann noch Menschen? Oder doch andere Wesen?

Haben wir auf diese und viele andere uns wirklich betreffende Fragen eindeutige und für alle Menschen und Zeiten geltende Antworten? Und wenn jemand diese Frage mit „ja“ beantworten kann, wäre das der Ausdruck von Weisheit oder eine weitere Dogmatisierung, für die es sich zu kämpfen lohnen würde, damit sie durchgesetzt wird?

Der Artikel, aus dem wir auszugsweise hier zitieren, entstammt dem Newsletter des Benediktushofs, Ausgabe vom 13.Juli 2025; wir haben die Erlaubnis von Alexander Poraj zur Veröffentlichung. Danke dafür!